Die Stationen
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1. Station: Tabakschuppen im Heimatmuseum
Die Glockensage von Potz (1970 und Kriegsende 1945)
„Sie hörte drunten die Glocken gehn im tiefen, tiefen See...“
Eine Clique von Kindern trifft sich 1970 am Rhein statt in die Kirche zu gehen. Verbotenerweise fahren sie mit einem Kahn hinaus, auch noch ausgerechnet am Dreifaltigkeitstag. Sie erzählen sich allerlei Geschichten. Plötzlich hören sie Glocken. Sie schauen ins Wasser hinunter und geraten dort in den Strudel der Geschichte...
Das Boot droht zu kentern. Mit vereinten Kräften gelingt es den Kindern, gerade noch an Land zu kommen und wieder in ihre Zeit zurückzukehren. Gerettet! Doch dann finden sie ein magisches Glöckchen.
Zwei für Neupotz wichtige Schlüsselgeschichten liegen dieser Szene zugrunde:
Zum einen die Sage vom Dorf Pfotz, das in den Fluten des Rheins unterging. Manchmal soll man noch vom Grund des Wassers die Glocken des Kirchturms läuten hören.
Zum anderen die wahre Geschichte des Pfarrers, der am letzten Kriegstag, am 23. März 1945, in einer äußerst gefährlichen Situation das Dorf durch das Hissen einer weißen Fahne vor dem Untergang bewahrte.
Über zwanzig weitere erzählte Episoden aus Neupotz sind in dieser Szene verarbeitet.
Wichtige Anmerkung: Neupotz wurde wie in anderen Orten der Pfalz zunächst von den Amerikanern befreit und anschließend von den Franzosen besetzt.
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2. Station: Scheunenzimmer im Bürgermeisterhof
„Wir sind noch mal davon gekommen“ - eine Nachkriegs-Feier (1945)
„De Feind soll nimmie de Feind sei“.
Herbst 1945. Erzählt wird von einem Freudenfest, Annas 55. Geburtstag. Man hat zwar im ersten Nachkriegsjahr nicht viel anzubieten, aber die Familie, die Nachbarn, der Pfarrer und die Hebamme sind trotzdem herzlich willkommen. Scheinbar kleine Geschenke wie Bohnenkaffee, ein unbekanntes exotisches Stück Obst und Schokolade, die Friedas Großonkel Joseph aus Amerika geschickt hat, werden bejubelt und großherzig geteilt. Der Tisch ist gedeckt, der Kuchen verschwindet und taucht überraschend wieder auf.
Es ist ein ausgelassenes Fest, obwohl noch nicht alle Männer aus dem Krieg zurückgekehrt sind. Das allerschönste Geschenk für die Jubilarin ist ein Überraschungsbesucher...
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3. Station: Im Bauernhof
„Körbe, Kinder und Kantaten - als Neupotz noch ein Bauerndorf war“
Arbeitsleben, Großfamilie, Dorfverband, Kinder in den Fünfziger Jahren
„Schorius, Bangius, de Male-Pius im Magler-Franzius drei Dezemalius sapralius.
Köpfle ruff, de Serwel helt sich uff de Köpfle uff.
‘S Wasser steht druff, de Häädkurn un de Detzel scherren de Leit ehr Grumbeerlecher uff.“ *)
Gezeigt wird in dieser Szene die alltägliche Arbeit auf einem Bauernhof. Auf dem Hof spielen die Kinder, die Großmutter hütet das Haus, bis der Rest der Familie und die vielen Helfer vom Feld heimkommen. Dabei werden zusammen Lieder gesungen. In der Szene gibt es keine Dialoge. Die Geschichte wird nur mit Musik, Sprüchen und Bildern erzählt.
Auf den ersten Blick erscheint alles wie eine Idylle aus früherer Zeit. Doch hinter dieser heilen Welt, oder besser mittendrin, werden auch andere Seiten sichtbar. Dem Vater rutscht leicht die Hand aus. Joseph, der Onkel aus Amerika kommt zu Besuch. Ein junges Pärchen, eine Katholische und ein Evangelischer, werden auseinandergerissen, während ein anderes Paar sein Geheimnis zu verbergen weiß. „Negermusik“ erklingt und Frieda will nicht wahrhaben, was in der Nachricht steht, die ihr der Briefträger überbringt.
*) Erklärung: Es handelt sich um ein Spott-Lied, das beim Anlegen eines Weidenackers entstanden ist. Zwei Begriffe sind dabei wichtig: Dezemalius stammt vom früheren Flächenmaß Dezimal, was etwa einem Drittel Ar entspricht. Der Begriff „sapralius“ kommt vom russischen Wort Saprale, was stehlen heißt. Da hat also einer dem anderen beim Bänke umgraben, „Schore“ genannt, drei Dezimal gestohlen und musste sich diesen Spott gefallen lassen. Die „Köpfle“ waren eine Gewanne im Neupotzer Feld, in der oft das Wasser stand, was aber der Weidenpflanzung entgegen kam.
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4. Station: In der Kirche
„Die schwarzen Bräute“, Frauengeschichte in Neupotz
„Die Lodsch? Die Lodsch? Ach was! So was hots bei uns nie gewwe!
Frieher vielleicht. Awwer des is schun Ewigkeite her!“
Dieses Sprechstück erzählt von einem bedeutenden Aspekt des Frauenlebens in Neupotz (und nicht nur dort): Den schwarzen Bräuten, dem Schicksal der unverheirateten Schwangeren und der so genannten „Lodsch“, einer speziellen Bank, in der diese Frauen in der Kirche Platz nehmen mussten. In unserer Szene setzen sich auch andere Frauen, freiwillig oder gezwungen, in diese „Sünderbank“.
Ein Sprech-Chor, der die damalige öffentliche Meinung und Moral vertritt, wird dem Sprech-Chor der schwarzen Bräute gegenübergestellt. Frauen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollten, hatten es schwer sich gegen starre und überkommene Regeln zu behaupten.
Auszüge aus dem Hohelied Salomos verweben sich mit den Frauenschicksalen zu einer Art Fürbitte für das Recht auf eigene Entscheidungen.
Bei der Recherche zu diesem Stück spielten Geschichten um die „Lodsch“ und andere ergreifende Frauenschicksale, die meistens nicht dokumentiert sind, eine sehr gewichtige Rolle. Uns war es im Rahmen dieses Theaterprojekts sehr wichtig, diesen Frauen am passenden Ort eine Stimme zu geben. Wir danken Herrn Pfarrer Rubeck und der Pfarrgemeinde, dass uns dies in der Kirche ermöglicht wurde.
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5. Station: Eine Bretterbühne vor dem Rathaus (1958)
„Die heilige Jungfrau der Johannisbeeren“ – eine Provinzposse mit Musik
„Fürchtet die Zwietracht! Wecket nicht den Streit
Aus seiner Höhle, wo er schläft, denn einmal
Erwacht bezähmt er spät sich wieder! Freuet euch
Der Gegenwart, lasst mich die Zukunft still bedecken!“ (Schiller)
Die Vorgeschichte: Der Johannisbeerkrieg, kurz gefasst:
Kirche und Gemeinde haben Grundstücke getauscht, damit die Schule darauf gebaut werden kann. Die Johannisbeersträucher auf dem getauschten Kirchengrundstück müssen weg. Der Bau soll wegen zu verbrauchender Zuschüsse schnell begonnen werden, deshalb reißen Gemeindearbeiter das Gestrüpp heraus. Pfarrer Ackermann regt sich darüber auf, dass der Besitzer der Sträucher (Günther Hoffmann) nicht gefragt wurde. Bei einer Kirchenverwaltungssitzung kommt es zwischen dem Bürgermeister und dem Pfarrer zum Eklat. Am Ende der Sitzung beschließen die beiden Streithähne, sich wieder zu vertragen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend...
Die Szene:
Der Pfarrer probt mit seiner Laientruppe und einer Blaskapelle Schillers „Jungfrau von Orléans“. Dabei zieht er auch über den Bürgermeister her. Dieser hat alles mit angehört und sprengt die Probe, um den Pfarrer, der gleichzeitig Regisseur ist und gerade den König spielt, zur Rede zu stellen. Der vielseitig begabte Pfarrer versucht zwar, die Proben geordnet weiter zu führen, aber nun fallen auch die Spieler übereinander her, nicht nur wegen der Sache mit den Johannisbeeren. Es kommt im historischen Theaterkostüm zu erheblichen Turbulenzen und handfesten Auseinandersetzungen, bei denen allerhand auf den Tisch kommt...
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6. Station: Tanzsaal in der „Eisenbahn“
Zeitenwechsel, „Die autoritären Zeiten sind vorbei“ (1978)
„Ihr habt Euch lang genug mit de Vergangenheit beschäftigt,
jetzt müsst Ihr mal an die Zukunft denke!“
Die Kinder, die in Station 1 in den Strudel der Geschichte geraten waren, sind nun junge Erwachsene geworden. Sie träumen davon, die Welt zu verändern und zu erobern. Sie haben eine Abschiedsfete für Biggi und Richard organisiert, die dem Dorf den Rücken kehren werden. Biggi und ihre Band drehen die Verstärker auf und rocken los.
Von unten aus dem Gastraum kommen Leute, die sich über die Lautstärke, die Musik und die langen Haare aufregen. Die Erwachsenen, die Sie alle schon an den vorangegangenen Stationen kennengelernt haben, bombardieren die Jugendlichen mit Vorwürfen.
Auf das gewohnte „Früher war alles besser“ kontern die Jugendlichen kenntnisreich mit erstaunlichen Details aus der ‚ach so schönen’ alten Zeit. Da taucht plötzlich ein Verdacht auf, der für große Aufregung sorgt...
Am Ende werden die Zuschauer im Hof mit einem kleinen Epilog verabschiedet.
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